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Neuerscheinung Juni 2026: Tanz der inneren Kinder – Psychodynamik und Beziehungsmuster

Tanz der inneren Kinder – Wie frühe Prägungen unsere Liebesbeziehungen lenken

 

In unseren Beziehungen begegnen wir einander oft mit mehr Geschichte, als uns bewusst ist. Wenn wir einander nahekommen, treten nicht nur zwei Erwachsene in Kontakt – es begegnen sich auch ihre inneren Kinder mit all ihren Erfahrungen von Liebe, Bindung, Bedürftigkeit und Sehnsucht.

Dieses Buch führt Sie hinter die Beziehungskulisse und macht die unsichtbaren Choreografien der Liebe sichtbar. Es entschlüsselt, wie die Spuren früher Bindungserfahrungen den Takt unserer heutigen Partnerschaften bestimmen – oft lange bevor wir den Rhythmus selbst bemerken.

 

Warum wir lieben, wie wir es gelernt haben

 

Mit psychologischer Klarheit und berührender Sprache zeige ich auf, wie wir als Kinder gelernt haben, uns Zuwendung zu sichern und Verbindung aufrechtzuerhalten. In späteren Liebesbeziehungen wirken diese frühen Beziehungsmuster weiter: Sie beeinflussen unsere Partnerwahl, entfachen typische Konflikte und bestimmen die Rollen, die wir im Miteinander einnehmen.

Wenn das dysregulierte Nervensystem die Führung übernimmt

 

Oft versagen verstandesbasierte Strategien genau dann, wenn es emotional wird. Wenn Bindungsnot unser System flutet, übernimmt die neurobiologische Stressregulation im Stammhirn die Führung. In diesem Modus reagieren wir unmittelbar mit Kampf, Flucht, Unterwerfung oder Erstarrung. Diese Reaktionen sicherten einst unser Überleben, doch heute halten sie uns oft in leidvollen, unbewussten Kreisläufen gefangen, die sich dem kognitiven Zugriff entziehen.

 

Beziehung als Entwicklungsraum

 

Anhand lebendiger Fallgeschichten – vom „Klammeräffchen“ bis zum „Streuner“ – lade ich Sie ein, die Partnerschaft als Ort der gemeinsamen Entwicklung wahrzunehmen.

  • Prägungen verstehen: Erkennen Sie die unbewussten Anteile hinter Ihren Streits um Bagatellen und die Dynamik psychodynamischer Grundkonflikte.

  • Muster verändern: Lösen Sie sich aus erstarrten Choreografien und finden Sie in Ihren eigenen, stimmigen Rhythmus.

  • Neue Schritte wagen: Nutzen Sie die psychodynamische Tiefe dieses Ansatzes, um alte Wunden durch neue, heilsame Erfahrungen zu korrigieren.

Ein Buch für alle, die nicht länger im Kreis tanzen wollen, sondern die Freiheit suchen, ihre Liebe selbstbestimmt und lebendig zu gestalten.

Lieferung aller Vorbestellungen ab dem 08.06.2026 pünktlich zum Launch!

Vorbestellungen überall, wo es Bücher gibt.

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen: Hier im Inhaltsverzeichnis des Buches finden Sie die detaillierte Choreografie meines Buches und die Themen, die wir gemeinsam entschlüsseln werden:

 

1 Der Vorhang hebt sich – ein Blick hinter die Beziehungskulisse

2 Der Tanz beginnt – Partnerwahl und die Magie der Projektionen
– 2.1 Tanz der inneren Kinder – die Psychodynamik des Verliebens
– 2.2 Der Kugelmensch – die Suche nach der verlorenen Hälfte
– 2.3 Vertrautes in neuer Gestalt – Partnerwahl nach Anlehnungsprinzip
– 2.4 Spieglein, Spieglein an der Wand – Partnerwahl nach dem narzisstischen Prinzip

3 Frühe Melodien und Beziehungsrhythmen – die vier Bindungsstile und das Bindungssystem
– 3.1 Urvertrauen durch Resonanz – der sichere Bindungsstil
– 3.2 Kein Ton zu nah – die Angst vor Bindung oder der unsicher-vermeidende Bindungsstil
– 3.3 Unruhiger Rhythmus – immer zu viel, nie genug! Die Angst vor Verlust oder der unsicher-ambivalente Bindungsstil
– 3.4 Klangchaos und Taktbruch im Nervensystem – der desorganisierte Bindungsstil
– 3.5 Heilsame Beziehungserfahrung – wenn Bindung Rhythmus bekommt
– 3.6 Herz oder Kopf? – Das Bindungssystem und die Rolle des Verstandes
– 3.7 Slow Motion fürs Nervensystem – Selbstregulation durch Selbstberuhigung

4 Erste Takte – wie frühe Konflikte die Tanzschritte prägen
– 4.1 Klammeräffchen oder Streuner – unendliche Sehnsucht nach Nähe versus übersteigerte Unabhängigkeit
– 4.2 Die Raupe Nimmersatt oder Mutter Theresa – unstillbare Bedürftigkeit oder übermäßige Fürsorge
– 4.3 Lämmchen oder Leithammel – vom Zwang zu folgen oder zu führen
– 4.4 Narziss oder Nebelkind – Selbstbild im Konfliktfeld von Glanz und Unsichtbarkeit
– 4.5 Märtyrerin oder Raubfisch – Schuldübernahme und egozentrische Selbstbezogenheit im Widerstreit
– 4.6 Don Juan, Femme fatale oder die Unschuld vom Lande? – Inszenierung und Unterdrückung von Erotik
– 4.7 Clan-Mitglied oder Chamäleon – Überidentifikation oder beliebige Anpassung
– 4.8 Die unsichtbare Mauer – wenn Gefühle nicht durchdringen

5 Muss denn der Glanz schwinden? – Die Entzauberung
– 5.1 Wenn die Masken fallen – die ungeschönten Selbstversionen betreten die Bühne
– 5.2 Die Realität beginnt – die Rücknahme der Projektionen

6 Vertraute Choreografien – wie alte Muster den Rhythmus bestimmen
– 6.1 Kleiner Fehltritt, große Wirkung – das Drama hinter den Streits um Bagatellen
– 6.2 Refrain in Endlosschleife – wenn sich Beziehung im Kreis dreht

7 Zeit für neue Schritte – Paarkonflikte als Chance (Fallbeispiele)
– 7.1 Der Tanz um Nähe und Freiheit – zwischen Bindungssehnsucht und Rückzugsdrang
– 7.2 Paartanz um Fürsorge und Bedürftigkeit – wenn Geben zur Pflicht und Selbstfürsorge zur Zumutung wird
– 7.3 Getanzt wird nach meiner Pfeife – Macht und Ohnmacht in starren Beziehungsmustern
– 7.4 Paartanz im Rampenlicht – wenn Liebe nach Applaus verlangt
– 7.5 Tanz mit gesenktem Blick – wenn Schuld den Takt der Beziehung bestimmt
– 7.6 Inszeniertes Begehren – wenn Verführung zur Show wird
– 7.7 Tanz ohne festen Rhythmus – wenn die Suche nach dem Selbst das Paar verunsichert
– 7.8 Routine im Gleichschritt – wenn der Tanz die Seele nicht mehr berührt

8 Nachklang und Aufbruch – Was war. Was bleibt. Was werden kann.

Erste Rezensionen aus der Fachwelt über Tanz der inneren Kinder

Von renommierten paartherapeutischen Kollegen wie Prof. Dr. Ulrich Clement und Achim Haid-Loh oder dem tiefenpsychologischen Blick von Nadiya Kroshka - danke für diesen Rückenwind aus der therapeutischen Praxis!

"Susanne Vömel gelingt  es, mit der  Analyse der kindlichen  Beziehungsmuster einen befreienden Blick für die Gegenwart der erwachsenen Partner zu vermitteln.“

Ulrich Clement, Prof. Dr. phil., Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut; Leiter des Instituts für Sexualtherapie Heidelberg; Dozent und Lehrtherapeut der Internationalen Gesellschaft für systemische Therapie (IGST) e.V

»Wer hätte gedacht, dass Bindungstheorie und ihre Auswirkungen auf unsere Beziehungsgestaltung so viel Spaß machen können? Wer verstehen möchte, wie wir unsere Partner – aber auch unsere Freunde – auswählen und warum sich Miteinander manchmal so leicht und so oft so schwer anfühlt, sollte dieses Buch lesen. Als Therapeutin habe ich daraus viele wertvolle Anregungen für meine Arbeit gewonnen – ich werde es aber auch einigen Freunden schenken!«
Nadiya Kroshka, Psychotherapeutin und Autorin von »Deine innere Mutter«

»In ihrem Werk entfaltet Susanne Vömel auf eindrückliche Weise, wie unbewusste Beziehungsmuster und Abwehrprozesse, wie u.a. Projektionen, die Dynamik von Partnerschaften prägen.
Ihre Darstellung der kollusiven Verstrickung macht sichtbar, wie (zwei) Partner sich wechselseitig in alte, meist früh entstandene Konflikte hineinziehen, und zugleich darin die Möglichkeit persönlicher Reifung und Veränderung liegt. Durch die Verbindung von psychodynamischem Denken, bindungstheoretischen Einsichten und praktischer Erfahrung gelingt ihr eine klare und zugleich berührende Analyse der inneren Bewegungen von Nähe, Abhängigkeit und Autonomie. Das Buch versteht sich damit als Einladung zu Selbstreflexion, emotionalem Wachstum und bewussterer Beziehungsgestaltung.«

Mag. Wilko Barkhoff, Psychotherapeut, Klinischer Psychologe, Traumatherapeut

​»Sehr spannend finde ich, wie das Thema Beziehungsdynamik auf unkonventionelle Weise mit dem inneren Kind verknüpft wird und durch eine Tanz-Metaphorik schön Gestalt annimmt.«

Maren Klingelhöfer, Lektorin

​»Ein beeindruckend lebendiges und anschauliches Buch, das die komplexen Wechselwirkungen unserer unbewussten Beziehungsdynamik in intimen Partnerschaften ans Licht bringt.«

Achim Haid-Loh, Dipl. Psychologe, Psychol. Psychotherapeut, Paar-und Familientherapeut

Podcast mit Sissi Rasche: Beziehungsmuster, Bindung und innere Kinder

Warum geraten wir in Beziehungen immer wieder in ähnliche Konflikte? Weshalb fühlen sich manche Menschen vom ersten Moment an vertraut an? Und warum wird die Zeit nach der Geburt eines Kindes für viele Paare zu einer besonderen Herausforderung?

Im Gespräch mit der Hebamme und Podcasterin Sissi Rasche spreche ich über die Dynamik unserer inneren Kinder, über frühe Bindungserfahrungen und darüber, wie unbewusste Prägungen unsere Partnerschaften beeinflussen. Wir sprechen über Nähe und Distanz, Elternschaft, Verliebtheit, Beziehungskonflikte und die Frage, warum Liebe allein nicht immer alle Bedürfnisse erfüllen kann.

Außerdem geht es darum, wie wir uns in schwierigen Momenten selbst regulieren können, warum Verständnis oft mehr bewirkt als Recht haben und wie ein besseres Verständnis der eigenen Geschichte zu mehr Freiheit und Lebendigkeit in Beziehungen führen kann.

Ein Gespräch über Liebe, Bindung, Elternschaft, Konflikte, Entwicklung und die Möglichkeit, alte Muster zu erkennen und neue Wege miteinander zu gehen.

Wie frühe Prägungen unsere Beziehungen beeinflussen Sissi Rasche: Wenn zwei Menschen sich lieben, begegnen sich nicht nur zwei Erwachsene, sondern auch zwei innere Kinder – mit all ihren alten Wunden, Sehnsüchten und Bindungserfahrungen. Warum wir uns ausgerechnet zu Menschen hingezogen fühlen, die unsere Verletzungen berühren, und wie wir aus alten Mustern ausbrechen können – genau darum geht es heute. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Sounds Familiar. Heute habe ich Susanne Vömel zu Gast. Sie ist Psychologin und Paartherapeutin mit eigener Praxis hier in Berlin. Sie hat Klinische Psychologie studiert und sich intensiv in tiefenpsychologischer Paartherapie sowie verschiedenen psychodynamischen Fachbereichen weitergebildet. Habe ich das alles richtig gesagt? Super. Susanne, herzlich willkommen. Schön, dass du da bist. Susanne Vömel: Ja, hallo Sissi. Danke für die Einladung. Sissi Rasche: Ich habe dich nicht ohne Grund eingeladen. Erstens, weil dieses Thema unglaublich wichtig ist. Und zweitens, weil ich als Hebamme genau in diesen sehr intensiven Familienphasen unterwegs bin, in denen Veränderung stattfindet und es zwischen Paaren oft auch ein bisschen brennt. Susanne Vömel: Schwieriger wird. Sissi Rasche: Schwieriger wird. Du hast außerdem ein neues Buch geschrieben. Es ist dein zweites Buch: Tanz der inneren Kinder. Und es beschreibt eigentlich genau das, worüber wir heute sprechen wollen. Auch wenn wir Erwachsene sind, schlummern unsere inneren Kinder weiterhin in uns. Der Begriff ist durch Social Media inzwischen sehr verbreitet. Mich interessiert aber nicht nur die Metapher, sondern auch die psychologische Grundlage dahinter. Vielleicht kannst du deshalb den Begriff noch einmal erklären: Was genau sind innere Kinder? Und gibt es dafür einen wissenschaftlichen Kern? Nähe, Distanz und sichere Bindung in der Kindheit Susanne Vömel: Ich finde, das ist zunächst einmal eine schöne symbolische Beschreibung. Natürlich turnen da keine kleinen Gestalten in uns herum. Aber wir alle haben frühe Erlebnisse und Bindungserfahrungen in uns gespeichert. Diese Erfahrungen liegen in Gedächtnisarealen, die nicht unmittelbar sprachlich zugänglich sind. Sie zeigen sich eher in Körpererinnerungen, Körpergefühlen oder atmosphärischen Erinnerungen. Bevor sich unser Großhirn vollständig entwickelt hat – also der Bereich, mit dem wir bewusst denken und sprechen können –, machen wir bereits viele Erfahrungen. Diese frühen Erfahrungen sind nicht unbedingt detailliert erzählbar, aber sie bleiben Teil von uns. Das kennt wahrscheinlich jeder: Man riecht etwas und ist plötzlich wieder an einem bestimmten Ort. Man geht an einer Bäckerei vorbei, nimmt einen Geruch wahr und ist auf einmal wieder bei der Oma in der Küche. Diese Spuren in uns sind das, was man häufig innere kindliche Anteile nennt. Und sie bestimmen maßgeblich mit, wie wir uns heute verhalten – gerade in Situationen, in denen wir unter Stress geraten oder in emotional bedeutsamen Beziehungen unterwegs sind. Sissi Rasche: Wir wollen heute vor allem über Paarbeziehungen sprechen. Welche frühen Prägungen sind aus deiner Sicht besonders wirkungsvoll für unser späteres Liebesleben? Susanne Vömel: Ich habe das im Buch so beschrieben, dass wir in unserer kindlichen Entwicklung bestimmte Konfliktthemen durchlaufen. Diese nennt man psychodynamische Grundkonflikte. Wir haben sie alle. Und sie bewegen sich meist zwischen zwei entgegengesetzten Bedürfnissen, die beide wichtig für uns sind. Der erste Grundkonflikt ist der zwischen Abhängigkeit und Individuation, also letztlich zwischen Nähe und Distanz. Das ist der Konflikt, den man bei Kindern beobachten kann, wenn sie etwas größer werden. Sie entfernen sich von ihrer Bezugsperson, krabbeln ein Stück weg, drehen sich um, kommen zurück, tanken Sicherheit auf und machen sich dann wieder auf den Weg. Das wäre dieser Konflikt im Raum. Auf der einen Seite steht das Bindungsverhalten, auf der anderen Seite die kindliche Neugier und das Explorationsverhalten. Beide Bedürfnisse sind wichtig. Sie stehen aber in einer Spannung zueinander, weil wir sie nicht gleichzeitig erfüllen können. Sissi Rasche: Und Eltern fragen sich natürlich sofort: Wie mache ich das richtig? Das ist ja dieser enorme Druck, den viele Eltern spüren. Man möchte seinem Kind Sicherheit geben und gleichzeitig Selbstständigkeit ermöglichen. Ich kenne das selbst. Man hat so viel Wissen, denkt ständig darüber nach und hat manchmal Angst, das innere Kind des eigenen Kindes zu verletzen. Susanne Vömel: Ja, also dieser erste Grundkonflikt ist letztlich das, was wir – wenn diese Entwicklung gut gelingt – auch als sichere Bindung beschreiben würden. Kinder brauchen zunächst diesen sicheren Rahmen. Sie müssen gehalten, reguliert und begleitet werden. Je sicherer sie sich darin fühlen, desto mehr trauen sie sich auch hinaus in die Welt. Deshalb ist Sicherheit am Anfang etwas unglaublich Wichtiges. Und gleichzeitig braucht es natürlich auch ein Gespür dafür, wann ein Kind bereit ist, eigene Schritte zu gehen. Kleine Kinder beginnen ja irgendwann ganz von selbst, sich ein wenig allein zu beschäftigen oder kurze Momente auszuhalten, in denen man nicht unmittelbar verfügbar ist. Dann dürfen sie auch die Erfahrung machen, dass sie Dinge selbst bewältigen können. Also ich glaube, es braucht beides: das sichere Gehaltensein und später auch das Freilassen. Sissi Rasche: Bedürfnisorientierung, Schlafen und Frustrationstoleranz Ich gehe da gerne mal einfach in mein Privatleben rein. Ich habe eine siebenjährige Tochter, bei der ich einfach merke: Sie braucht abends diese wirkliche Begleitung und auch nachts die Sicherheit, dass sie neben mir schläft. Für viele Menschen ist das unverständlich bei einem siebenjährigen Kind. Aber ich merke wirklich, dass sie das braucht, um sich zu regulieren. Susanne Vömel: Wenn das für dich und euch okay ist, dann ist das doch prima. Ich denke, irgendwann kommt das einfach von allein. Sissi Rasche: Ich glaube auch. Susanne Vömel: Das ist ja auch dein Gefühl, das da mit dranhängt. Und wenn es sich irgendwann nicht mehr stimmig anfühlt, wirst du wahrscheinlich langsam etwas verändern. Solange es für alle gut ist, ist das doch in Ordnung. Sissi Rasche: Klar hätte ich manchmal auch gern etwas mehr Platz in meinem Bett. Aber ich meine etwas anderes. Wir probieren das natürlich immer mal wieder aus. Gestern war es gerade so, dass sie selbst gesagt hat, sie möchte mal mit einem Hörspiel in ihrem Zimmer schlafen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass sie Angst hat und die Nähe noch braucht. Und ich weiß eigentlich, dass das wahrscheinlich irgendwann von einem Tag auf den anderen ganz schnell gehen wird. Aber ich frage mich dann schon: Wenn ich jetzt sagen würde: „Du musst das jetzt machen“, dann würde ihr das ja wirklich ein schlechtes Gefühl geben. Da denke ich manchmal: Könnte ich sie damit nicht auch – jetzt mal in Anführungszeichen – brechen, wenn ich das auf Teufel komm raus durchsetzen würde? Solche Fragen meine ich. Ich glaube, daran zweifeln viele Eltern. Eigentlich wissen sie, was ihrem Kind guttut und geben ihm Sicherheit. Gleichzeitig denken sie: Das ist nicht die Norm. So sollte es doch eigentlich nicht sein. Susanne Vömel: Ich glaube, das ist ein wirklich komplexes Thema. Einerseits ist es total wichtig, dem eigenen Gefühl zu vertrauen. Andererseits gehört natürlich auch ein gewisses Maß an Frustration zum Leben dazu. Das ist etwas, worüber ich bei der bedürfnisorientierten Erziehung manchmal nachdenke. Da finde ich wichtig zu unterscheiden: Handelt es sich um ein menschliches Grundbedürfnis oder eher um einen Wunsch? Denn wenn wir anfangen, alle Wünsche dauerhaft zu erfüllen, wird es schwierig. Susanne Vömel: Das sehe ich übrigens auch bei erwachsenen Paaren. Da sagt dann manchmal jemand: „Aber das ist mein Bedürfnis.“ Und ich denke: Na ja, vielleicht ist es gar kein Bedürfnis, sondern ein Wunsch. Wünsche darf man natürlich haben. Es ist schön, wenn sie erfüllt werden. Aber sie sind nicht automatisch ein Anspruch. Und damit wir als Erwachsene mit Enttäuschungen umgehen können, brauchen wir natürlich auch Frustrationstoleranz. Damit meine ich nicht, Kinder zu brechen. Aber bei einer Siebenjährigen kann man ja schon vieles besprechen. Man kann gemeinsam überlegen: Was macht das Alleinsein eigentlich so schwer? Wovor genau hat sie Angst? Was würde ihr helfen? Wie könnte ein nächster Schritt aussehen? Sie versteht ja schon unglaublich viel. Und dann kann sie Erfahrungen machen, die vielleicht nicht immer optimal sind, die sie aber bewältigen kann. Sissi Rasche: Ja, das waren jetzt einfach Beispiele, die mir eingefallen sind, weil ich glaube, dass viele Eltern sich genau solche Fragen stellen. Wir wollen heute ja vor allem über Paarbeziehungen sprechen. Zu dir kommen wahrscheinlich auch viele Eltern. Susanne Vömel: Ja, sogar schon vorher. Die Entscheidung für ein Kind ist heute oft sehr komplex geworden. Mit all den Möglichkeiten, beruflichen Fragen und Lebensentwürfen wird sehr viel darüber nachgedacht, wann eigentlich der richtige Zeitpunkt ist. Sissi Rasche: Was sich verändert, wenn wir Eltern werden Kommen Paare tatsächlich schon mit Kinderwunsch zu dir? Susanne Vömel: Ja, durchaus. Manche möchten vorher ein bisschen aufräumen, damit sie bestimmte Themen nicht ungefiltert weitergeben. Und oft spielen auch Ängste eine Rolle. Viele hoffen, dass möglichst wenig schiefgehen kann, wenn sie vorher alles gut planen und vorbereiten. Das ist verständlich. Aber häufig steckt hinter diesem Wunsch nach Kontrolle auch Angst. Dann schauen wir gemeinsam darauf, worum es eigentlich geht. Menschen hoffen oft, über Struktur und Planung Sicherheit zu bekommen. Sissi Rasche: Grundsätzlich finde ich Prävention ja etwas sehr Gutes. So ähnlich wie eine gute Geburtsvorbereitung oder Stillvorbereitung. Wenn man bestimmte Dinge vorher versteht, hilft das später oft sehr. Gerade der Schritt vom Paar zu Eltern ist ja eine riesige Veränderung. Susanne Vömel: Ja, absolut. Eigene Themen anzuschauen, Konflikte besser zu verstehen und sich mit möglichen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen, finde ich immer sinnvoll. Wichtig ist nur, nicht zu glauben, dass man dadurch alles kontrollieren kann. Denn man weiß vorher nicht, welches Kind kommt. Man weiß nicht, welche Persönlichkeit dieses Kind mitbringt und welche Dynamiken dadurch entstehen werden. Und genau das macht Elternschaft ja auch aus. Sissi Rasche: Was uns in Beziehungen magisch anzieht Und stimmt das wirklich? Dass wir uns immer wieder zu Menschen hingezogen fühlen, die bestimmte innere Themen in uns berühren? Susanne Vömel: Ja. Und da würde ich an das anschließen, worüber wir vorhin gesprochen haben. Ich habe das im Buch so beschrieben, dass wir alle bestimmte Konfliktthemen durchlaufen. Fast kein Mensch verlässt seine Kindheit, ohne an manchen Stellen Akzentuierungen entwickelt zu haben. Das ist völlig normal. Eltern sind Menschen. Sie bringen ihre eigenen Prägungen, ihre eigenen Konflikte und ihre eigene Geschichte mit. Kinder müssen deshalb oft lernen, mit bestimmten Spannungen umzugehen. Und dabei entwickeln sie Strategien. Nehmen wir ein Kind, das sehr früh Verantwortung übernehmen musste. Also ein Kind, das vielleicht für die Stimmung zu Hause zuständig war oder viel Verantwortung getragen hat. Dieses Kind entwickelt häufig eine eher aktive Strategie. Es lernt: Ich kümmere mich. Ich übernehme Verantwortung. Ich sorge für andere. Es gibt aber auch die Möglichkeit, eher mit passiven oder regressiven Strategien auf die Bedingungen der Kindheit zu reagieren. Und häufig finden sich später zwei Menschen zusammen, die beim gleichen Konfliktthema unterwegs sind, aber unterschiedliche Strategien entwickelt haben. Bleiben wir mal bei diesem Versorgungsthema. Da gibt es auf der anderen Seite vielleicht ein Kind, das gewohnt war, sehr viel Versorgung zu erhalten. Heute ist das gar nicht so selten. Ein Kind, um das sich alles dreht. Mutter und Vater ordnen sich komplett unter, weil es ihnen schwerfällt, Grenzen zu setzen oder Frustration zuzumuten. Wenn sich diese beiden Menschen später begegnen, fühlt sich das am Anfang oft großartig an. Fast so, als hätte man die verlorene Hälfte gefunden. Die eine Person kann endlich weiter versorgen und sich kümmern. Die andere kann sich versorgen lassen. Am Anfang ist das richtig schön. Denn beide haben ihre Strategien ja entwickelt, weil sie den Schmerz über das, was gefehlt hat, als Kinder nicht aushalten konnten. Bleiben wir bei dem Beispiel der jungen Frau, die gelernt hat, sich um andere zu kümmern. Wenn ich die Sonne für andere scheinen lasse, dann leuchtet dieses Licht auch ein paar meiner eigenen schattigen Kämmerlein aus. Nämlich dieses tief verdrängte Bedürfnis, selbst umsorgt zu werden. Über das aktive Geben fällt also immer auch ein bisschen Licht nach innen. Sissi Rasche: Da entsteht ja auch ein gutes Gefühl. Susanne Vömel: Genau. Da strahlt ein bisschen etwas zurück. Und natürlich ist es toll, wenn da jemand ist, der mit all dem überschüttet werden kann. Das ist übrigens ein Konflikt, der häufig richtig schwierig wird, wenn ein Kind dazukommt. Wenn niemand mehr bekommt, was er braucht In meinem Buch habe ich diese Figuren etwas überzeichnet. Da gibt es „Mutter Teresa“ und die „Raupe Nimmersatt“. Sissi Rasche: Ja, das ist ein gutes Beispiel. Susanne Vömel: Die Raupe Nimmersatt ist natürlich irgendwann richtig schlecht dran. Denn mit einem Kind werden häufig ganz unbewusst alte Themen reaktiviert. Da können plötzlich Gefühle auftauchen, die ursprünglich vielleicht mit einem Geschwisterkind zu tun hatten, das damals geboren wurde. Oder mit Situationen, in denen die Versorgung nicht mehr so selbstverständlich war wie vorher. Solche Dinge werden mit eigenen Kindern oft wieder wach. Und die Frau, die vorher versorgt hat, ist inzwischen vielleicht völlig überfordert. Sie hat das reale Kind, um das sie sich kümmert, und dazu noch die andere Raupe, die nie satt wird und sich nur beschwert. Das ist häufig der Punkt, an dem diese eingespielte Verbindung, die am Anfang so wunderbar funktioniert hat, zu kippen beginnt. Vorher war es: Ich gebe dir etwas und fühle mich gut dabei. Ich nehme es und freue mich darüber. Das, was am Anfang so gut funktioniert hat, wird plötzlich zum Problem. Die Person, die weniger bekommt, beginnt sich natürlich zu beschweren. Sissi Rasche: Und macht Druck. Susanne Vömel: Genau. Und das ist eigentlich immer der Versuch, in diesen eingespielten Mustern wieder etwas herzustellen. Ich stelle mir solche Dynamiken gern wie eine liegende Acht vor. Da gibt es keinen wirklichen Anfang und kein Ende. Die Menschen sind aufeinander eingespielt. Die eine Person sagt: Ich kann dich so gut versorgen, weil du so bedürftig bist. Und die andere sagt: Ich kann mich so gut versorgen lassen, weil du so gerne gibst. Am Anfang ist das wunderschön. Irgendwann wird daraus aber: Ich kann dir nichts mehr geben, weil du so viel forderst. Und die andere Person sagt: Weil du mir nichts mehr gibst, muss ich so unersättlich fordern. Sissi Rasche: Das ist eigentlich wirklich verrückt. Susanne Vömel: Genau. Und langsam wird die Dynamik negativ. Warum dieselben Konflikte immer wieder entstehen Das nennt man Kollusion. Also eine unbewusste Verstrickung in Paarbeziehungen. Der Begriff kommt von colludere, also miteinander spielen. Nur ist es irgendwann kein schönes Spiel mehr. Sissi Rasche: Und vor allem muss man das erst einmal erkennen. Ich glaube, beide fühlen sich ja überhaupt nicht gesehen. Susanne Vömel: Genau. Und deshalb ist es auch so schwierig. Beide erleben sich als die Person, die zu kurz kommt. Beide haben das Gefühl, dass der andere etwas nicht versteht. Und gleichzeitig tragen beide dazu bei, dass diese Dynamik aufrechterhalten wird. Deshalb geht es in der Paartherapie auch nicht darum, Schuldige zu finden. Sondern zu verstehen, was die beiden miteinander machen. Und warum sie das miteinander machen. Denn erst wenn das sichtbar wird, entsteht überhaupt die Möglichkeit, etwas zu verändern. Sissi Rasche: Und auch vor allen Dingen das zu erkennen. Ich glaube, beide fühlen sich ja nicht gesehen. Susanne Vömel: Genau. Und das wird man meist allein nicht so einfach erkennen. Sissi Rasche: Wer ist denn eigentlich immer die Person, die dann zuerst kommt? Du hast gesagt, viele Paare kommen schon vorher. Aber oft ist es ja so: Da ist das Kind, die Care-Arbeit, der Alltag. Man geht völlig aus der Verbindung miteinander. Der eine fühlt sich nicht gesehen, der andere denkt: „Ich gebe doch schon so viel.“ Das ist ja ein ganz klassisches Beispiel. Und dann diesen Punkt zu finden, an dem man aus dieser Achterbahn wieder aussteigt ... Susanne Vömel: Also das ist uns unbewusst. Weil diese Dinge, die wir nicht bekommen haben, eben tief verdrängt sind. Wir wären damals mit diesem Mangel nicht zurechtgekommen, wenn wir ihn ständig gespürt hätten. Deswegen wird man das von allein meistens nicht finden. Die Paare kommen eigentlich mit Kommunikationsproblemen. Eigentlich kommen alle mit Kommunikationsproblemen. Sie möchten häufig ein paar Tipps, ein paar schnelle Lösungen. Und ich sage dann immer: Ja, das wäre total schön, wenn es das gäbe. Dann würde ich das auf einen Zettel schreiben, den an die Praxistür hängen, Kaffee trinken gehen und mich freuen, dass es allen gut geht, die den Zettel gelesen haben. Aber so funktioniert es leider nicht. Mit Ratschlägen oder schnellen Tipps kommt man an dieser Stelle nicht weiter. Immer dann, wenn wir in den Bereich der frühen Prägungen geraten und diese inneren Kinder aktiviert werden, wenn wir Stress haben, Bindungsverlust fürchten oder etwas in unserer Liebesbeziehung schwierig wird, dann sind wir nicht in dem rationalen Gehirnteil unterwegs, der es erlaubt zu sagen: „Ach ja, okay, dann müssen wir eben anders miteinander sprechen.“ Susanne Vömel: Warum wir im Streit plötzlich nicht mehr wir selbst sind Das ist genau das Thema. Und natürlich geht es auch darum, dass wir in dieser Spirale, also in diesen Konflikten in einer Paarbeziehung, die sich wiederholen und die sich so schlimm anfühlen, mit unserem Nervensystem in einen Zustand geraten, in dem wir eben nicht mehr rational entscheiden und uns verhalten können. Dann handeln wir aus den frühen Gehirnarealen heraus, also aus dem, was wir mit den Tieren teilen. Wir können kämpfen. Wir können fliehen. Wir können uns unterwerfen. Und wir können uns tot stellen. Und genau das passiert. Die Leute schreien sich an – sie kämpfen. Einer verlässt den Raum – er flieht. Jemand wird still und kann gar nicht mehr sprechen. Oder einer unterwirft sich dem anderen. Das sind eigentlich die Verhaltensweisen, die wir haben, wenn wir in dem aufgeregten, also sympathischen Teil unseres Nervensystems unterwegs sind. Sissi Rasche: Wenn ich jetzt an diesem Punkt bin, wo wir gerade sind: Das Paar findet nicht alleine zu dir oder einer deiner Kolleginnen, sondern entscheidet sich: „Das ist jetzt alles scheiße, ich trenne mich.“ Mit dem neuen Partner komme ich doch in die gleiche Situation, oder? Susanne Vömel: Genau. Aber es ist natürlich immer eine Möglichkeit, aus so einem Spiel, in dem man nicht mehr genug bekommt, auszusteigen und zu sagen: „Ich gucke mal, ob ich einen neuen Spielpartner finde.“ Es wird auch meist gelingen, dass man wieder jemanden findet. Aus dem vorigen Beispiel: Die Person, die aussteigt, weil sie trotzig ist und sagt: „Du gibst mir zu wenig.“ die wird wahrscheinlich wieder eine versorgende Person finden. Aber das Thema wird sie mitnehmen. Deshalb ist es eigentlich am besten, daran zu arbeiten. Susanne Vömel: Ja, es ist schon total spannend, ein bisschen klarer darüber zu werden, was die eigenen Themen sind. Diese Themen haben wir Menschen alle. Und das ist auch gut so. Wir haben immer wieder Ambivalenzen im Leben. Wenn Kinder zum Beispiel ein paar Jahre auf der Welt sind, dann ist oft ganz viel Bezogenheit, Bindung und Geborgenheit da. Und irgendwann zeigen sich wieder mehr autonome Wünsche, mehr Lust auf Selbstständigkeit. Diese Konflikte überwinden wir nicht einmal und dann sind sie gelöst. In jeder neuen Lebenssituation müssen wir sie wieder neu verhandeln. Und solange wir von allen Konflikten immer mal ein bisschen etwas haben und auch wechseln können, ist das alles gut. Dann gibt es zwar Streit, aber nicht diese festgefahrenen Streits. Das ist auch meine Hoffnung mit dem Buch. Deshalb gibt es so viele Fallbeispiele. Ich hoffe gar nicht, dass Menschen beim Lesen abhaken, ob jeder einzelne Punkt stimmt. Ich hoffe eher, dass sie spüren, was sie innerlich anspricht. Dass sie ein bisschen auf die Schliche kommen, wo ihre eigenen Themen liegen. Sissi Rasche: Und vor allen Dingen auch für Menschen, die vielleicht nicht gleich die Möglichkeit haben, sich in professionelle Hände zu begeben. Das ist ja erst einmal auch ein Kostenthema. Aber gibt es auch körperliche Signale? Du hast ja schon gesagt, dass es wahrscheinlich Hinweise gibt, die uns zeigen: „Okay, jetzt hat hier nicht mein erwachsenes Ich die Regie, sondern mein inneres Kind.“ Kann man lernen, darauf besser zu hören? Susanne Vömel: Ja, natürlich gibt es da ganz viele wichtige Dinge. Wir können nicht gut sprechen und zuhören, wenn unser Nervensystem in diesem Moment total desreguliert ist. Und das passiert eben ganz schnell, wenn wir in einer Liebesbeziehung Schwierigkeiten haben. Am Arbeitsplatz können wir meist viel erwachsener handeln. Aber nicht, wenn es um Bindungsverletzungen geht. Auch in der Therapie lasse ich Konflikte manchmal bis zu einem bestimmten Punkt aufkochen, damit ich sehen kann, was da los ist. Aber irgendwann reguliere ich das wieder. Nicht, weil ich den Konflikt nicht aushalten kann. Sondern weil wir nicht mehr sprechen und zuhören können, wenn wir nicht in unserem ruhigen Nervensystem sind. Wenn wir beide jetzt hier völlig durch die Gegend springen und hopsen würden, würden wir nicht verstehen, was der andere sagt. Denn Zuhören und Sprechen sind Fähigkeiten. Und das sind Fähigkeiten, die wir nicht brauchen, wenn der Säbelzahntiger vor uns steht. Da müssen wir rennen. Aber wir müssen nicht zuhören. Susanne Vömel: Wie wir uns in Konflikten selbst beruhigen können Deshalb ist es wichtig, Techniken zu erlernen, mit denen jede Person sich erst einmal selbst beruhigen kann. Das geht oft mit ganz einfachen Dingen. Ein bisschen ums Karree laufen. In der Natur spazieren gehen. Am besten natürlich vorher besprechen, dass man das so macht. Also nicht einfach abhauen. Sissi Rasche: Ja, aber oft ist es ja in so einer Konfliktsituation so: Man will recht haben. Man möchte seinen Standpunkt klarmachen. Und der wird vielleicht überhaupt nicht gesehen. Dann geht man immer weiter und immer weiter und kommt in diese Spirale hinein. Und ich glaube, für viele Menschen ist genau das der Punkt: Wie komme ich da wieder raus? Susanne Vömel: Wenn es zum Beispiel viel um Recht und Unrecht geht, dann könnte es sein, dass bei beiden ein Konflikt rund um Macht und Ohnmacht ein bisschen fixiert ist. Also Recht haben oder eben nicht Recht haben. Denn wer nicht recht hat, muss möglicherweise Ohnmachtsgefühle spüren. Und die möchte man natürlich gerne abwenden. Das wäre jetzt erst einmal nur eine Idee. Ich arbeite nicht so, dass ich Ratschläge gebe und sage: „Macht dies oder macht das.“ Sondern ich versuche mit den Menschen zu verstehen, warum etwas so wichtig geworden ist. Warum es zum Beispiel so wichtig ist, die mächtige Person zu sein und nicht die ohnmächtige. Denn theoretisch kann es ja auch sein, dass sich ein Konflikt gar nicht lösen lässt. Dass keiner recht hat. Und dass man einfach damit leben muss, unterschiedlicher Meinung zu sein. Sissi Rasche: Ja, und einen Kompromiss braucht. Susanne Vömel: Oder manchmal etwas einfach überwachsen muss. Denn es lassen sich nicht alle Konflikte in Paarbeziehungen lösen. Das geht gar nicht. Dafür sind wir Menschen zu verschieden. Sissi Rasche: Okay, aber ich glaube schon, dass es hilft, diese Signale zu erkennen. Also dieses Bewusstsein zu entwickeln: „Okay, jetzt ist hier gerade nicht mehr die erwachsene Sissi unterwegs, sondern die Kleine, die wütend ist und immer noch einen Schritt weitergeht und noch einmal stichelt.“ Wenn ich das erkenne, kann ich mich doch auch ein Stück weit selbst schützen. Susanne Vömel: Ja. Wenn man das zumindest einmal in einer ruhigen Minute bespricht und sagt: „Ich möchte versuchen, in solchen Momenten etwas mehr Selbstregulation zu lernen.“ Und: „Es heißt nicht, dass ich dich verlasse. Aber ich werde jetzt vielleicht mal rausgehen und erst einmal versuchen, mich wieder ein bisschen runterzubringen.“ Laufen. Spazierengehen. Natur ist toll. Und dann gibt es noch etwas Interessantes: Im Kehlkopfbereich, im Bauchraum und im Rachenbereich haben wir Verbindungen zum vegetativen Nervensystem. Zum Vagusnerv, also zu dem Nerv, der beruhigend wirkt. Wenn wir diese Bahnen aktivieren, wird dem Gehirn gewissermaßen rückgemeldet: „Du kannst entspannt bleiben. Hier ist alles in Ordnung.“ Und das kann man mit Atemtechniken unterstützen. Dafür braucht es gar nicht viel. Manchmal reichen schon ein paar bewusste Atemzüge in den Bauch. Und was besonders schön ist: Singen und Summen. Sissi Rasche: Singen und Summen? Susanne Vömel: Ja. Weil wir dabei genau diese Bereiche aktivieren. Und das ist etwas, das man ganz einfach machen kann. Man braucht dafür nichts. Kein besonderes Hilfsmittel. Kein großes Programm. Man trägt diese Möglichkeit zur Beruhigung bereits in sich. Und ich glaube, deshalb hat die Natur das auch so eingerichtet, dass wir zum Beispiel beim Ins-Bett-Bringen oder während der Schlafbegleitung singen. Denn wir beruhigen damit nicht nur das Kind, sondern auch uns selbst. Die meisten Erwachsenen würden es, glaube ich, gar nicht aushalten, so lange immer wieder das Gleiche zu tun – und manchmal dauert es ja einfach eine ganze Weile. Man hat schließlich auch nicht jeden Tag Lust, eine Stunde im Kinderzimmer zu sitzen und beim Einschlafen zu begleiten. Durch das Singen und Summen entsteht tatsächlich eine Form von Koregulation. Wir beruhigen uns selbst, weil auch hier entsprechende Nervenfasern aktiviert werden. Und genau das kann man auch in einem beginnenden Streit nutzen oder wenn man merkt: Irgendetwas ist hier gerade nicht mehr ganz stimmig. Wenn eine Reaktion in mir plötzlich viel größer wird, als die Situation eigentlich erklärt, dann ist das oft ein Hinweis darauf, dass noch etwas anderes mitschwingt – dass alter emotionaler Treibstoff mit aktiviert wird. Sissi Rasche: Ja, okay. Das hast du ja, glaube ich, auch in deinem Buch. Dieses Mitgefühl mit mir selber ist ja so ein zentrales Thema. Und das ist ja eigentlich das, was du jetzt gerade auch so ein bisschen angesprochen hast. Und ich finde, das fällt einem dann so schwer. Dass man wirklich guckt: Was ist da eigentlich bei mir los? Warum fällt mir das so schwer? Das finde ich irgendwie ein ganz großes Thema. Verstehen statt verletzen Susanne Vömel: Ich glaube, dieses Mitgefühl entsteht schon auch automatisch, wenn man bei sich selbst und auch beim anderen versteht, woher bestimmte Verhaltensweisen kommen. Das heißt ja nicht, dass man alles gut finden muss. Gar nicht. Aber ich glaube, man kann den Blick darauf verändern. Und das ist eben auch der Unterschied, wenn beide – zum Beispiel in einer Paarberatung oder Paartherapie – verstehen, wie bestimmte Verletzlichkeiten entstanden sind. Wenn man die Geschichte des anderen hört, macht das häufig etwas. Dann möchte man im Streit oft gar nicht mehr so sehr auf die wunden Punkte des anderen gehen. Sissi Rasche: Machst du das dann immer mit beiden zusammen? Oder gibt es auch Einzelgespräche? Weil ich finde, so ein inneres Kind zu finden oder diese Themen überhaupt auszusprechen, das möchte man vielleicht manchmal erst einmal in einem geschützten Rahmen tun. Susanne Vömel: Also ich mache das in den meisten Fällen gemeinsam. Eigentlich sogar von Anfang an. Wenn es um bestimmte Themen geht – sexuelle Themen zum Beispiel –, dann kann eine Einzelstunde manchmal sinnvoll sein. Aber bei diesen anderen Dingen ist es eher so, dass wir nicht die gesamte Lebensgeschichte abarbeiten. Die Menschen kommen ja mit einem aktuellen Konflikt. Mit etwas, das im Hier und Jetzt immer wieder Schwierigkeiten macht. Und dann schauen wir gemeinsam darauf. Meistens habe ich relativ schnell ein Gefühl dafür und stelle bestimmte Fragen. Zum Beispiel, ob ein Gefühl, das gerade auftaucht, irgendwie bekannt vorkommt. Ob man es vielleicht schon von früher kennt. Und dann zeigen sich oft relativ schnell Situationen oder Erfahrungen, die heute in solchen Konflikten mit aktiviert werden. Weil ein ähnliches Gefühl wachgerufen wird, das in der Lebensgeschichte bereits einmal sehr negativ besetzt war. Dann sind wir meist ziemlich schnell an den entscheidenden Punkten. Und das ist eigentlich auch gut so. Da wird natürlich geweint. Oder es kommen andere starke Gefühle. Aber gerade das ist häufig heilsam, wenn beide das miterleben können. Sissi Rasche: Um besser zu verstehen, was beim anderen eigentlich passiert. Susanne Vömel: Aber ich glaube, man kann den Blick darauf verändern. Und das ist eben auch der Unterschied, wenn beide – zum Beispiel in einer Paarberatung oder Paartherapie – verstehen, wie bestimmte Verletzlichkeiten entstanden sind. Wenn man die Geschichte des anderen hört, macht das häufig etwas. Dann möchte man im Streit oft gar nicht mehr so sehr auf die wunden Punkte des anderen gehen. Sissi Rasche: Machst du das dann immer mit beiden zusammen? Oder gibt es auch Einzelgespräche? Weil ich finde, so ein inneres Kind zu finden oder diese Themen überhaupt auszusprechen, das möchte man vielleicht manchmal erst einmal in einem geschützten Rahmen tun. Susanne Vömel: Also ich mache das in den meisten Fällen gemeinsam. Eigentlich sogar von Anfang an. Wenn es um bestimmte Themen geht – sexuelle Themen zum Beispiel –, dann kann eine Einzelstunde manchmal sinnvoll sein. Aber bei diesen anderen Dingen ist es eher so, dass wir nicht die gesamte Lebensgeschichte abarbeiten. Die Menschen kommen ja mit einem aktuellen Konflikt. Mit etwas, das im Hier und Jetzt immer wieder Schwierigkeiten macht. Und dann schauen wir gemeinsam darauf. Meistens habe ich relativ schnell ein Gefühl dafür und stelle bestimmte Fragen. Zum Beispiel, ob ein Gefühl, das gerade auftaucht, irgendwie bekannt vorkommt. Ob man es vielleicht schon von früher kennt. Und dann zeigen sich oft relativ schnell Situationen oder Erfahrungen, die heute in solchen Konflikten mit aktiviert werden. Weil ein ähnliches Gefühl wachgerufen wird, das in der Lebensgeschichte bereits einmal sehr negativ besetzt war. Dann sind wir meist ziemlich schnell an den entscheidenden Punkten. Und das ist eigentlich auch gut so. Da wird natürlich geweint. Oder es kommen andere starke Gefühle. Aber gerade das ist häufig heilsam, wenn beide das miterleben können. Sissi Rasche: Um besser zu verstehen, was beim anderen eigentlich passiert. Susanne Vömel: Genau. Zu verstehen, wo etwas herkommt. Denn in Partnerschaften wird vieles zunächst als etwas Zwischenmenschliches verstanden. Also als etwas, das der andere gegen mich richtet. Wenn zum Beispiel eine Person sagt: „Ich habe Lust, mehr Dinge allein zu machen.“ dann hört die andere Person oft: „Du möchtest nichts mit mir machen.“ Dabei ist das Erste zunächst einmal ein inneres Bedürfnis dieser Person. Die andere hört es aber als Aussage über die Beziehung. Und wenn man versteht, warum sich etwas in der anderen Person so anfühlt oder äußert, dann hört man häufig auch auf, alles automatisch auf sich selbst zu beziehen. Sissi Rasche: Hast du denn manchmal auch so etwas wie ein Codewort? Also etwas, bei dem man sagt: „Jetzt machen wir hier kurz Stopp.“ Weil ich stelle mir das schwierig vor. Oft möchte eine Person weitermachen, während die andere eigentlich schon gar nicht mehr kann. Susanne Vömel: Ja, manchmal. Neulich habe ich das tatsächlich mit einem Paar gemacht. Ich arbeite aber nicht nach festen Plänen. Es gibt kein allgemeingültiges Konzept für alle. In diesem Fall waren die beiden sehr humorvoll. Und wir haben etwas gefunden, bei dem die Chance bestand, dass sie in solchen Situationen mit einem Augenzwinkern merken: „Ah, da sind wir wieder.“ Und sich dann bewusst eine Pause gönnen. Nicht unbedingt ein strenges „Stopp“. Sondern eher etwas, das beiden hilft, kurz aus der Dynamik auszusteigen. Natürlich muss man vorher besprechen, dass so etwas nicht missbraucht wird. Wenn zum Beispiel eine eher vermeidende Person jedes Mal „Stopp“ sagt, sobald ein schwieriges Gespräch beginnt, dann funktioniert das natürlich nicht. Aber wenn man wirklich merkt: „Ich kann gerade nicht mehr.“ „Ich rutsche wieder in einen alten Modus.“ Dann kann so etwas hilfreich sein. Dann reguliert man sich. Und sagt vielleicht: „Lass uns morgen weiterreden.“ Oder: „Lass uns in zwei Stunden noch einmal darauf schauen.“ Sissi Rasche: Wenn man aber gerade in so einer Situation ist, in der das Sprechen schon so schwerfällt ... Manchmal ist das ja auch in Therapien so. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Überhaupt erst in dieses Gespräch zu kommen und da wieder herauszufinden – das finde ich total herausfordernd. Und ich glaube, gerade bei Elternpaaren kommen oft noch Erschöpfungszustände dazu. Dann ist man einfach müde. Und schon dieser Schritt, sich gegenseitig alles zu erklären, fühlt sich unglaublich anstrengend an. Susanne Vömel: Zumal dann häufig noch diese frühen Anteile dazukommen. Und dafür haben wir oft noch gar keine Worte. Das, was du gerade beschreibst, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Es kann sein, dass man spürt, dass etwas nicht stimmt oder nicht gut ist. Aber die Sprache dafür fehlt noch. Gerade bei diesen frühen Themen dauert es manchmal lange, Worte zu finden. Ein gutes Zwischenglied zwischen unseren verschiedenen Gehirnarealen sind Bilder. Manchmal kann man etwas eher als Bild beschreiben. Oder als Symbol. Oder als Atmosphäre. Und darüber findet man dann langsam Worte für das, worum es eigentlich geht. Sich selbst besser verstehen Sissi Rasche: Warum das Buch entstanden ist Als du das Buch geschrieben hast – ich glaube, du hast es relativ schnell geschrieben, oder? So kam es mir jedenfalls vor. Was war eigentlich der Impuls? Warum Tanz der inneren Kinder? Und was war die Botschaft, die du damit in die Welt tragen wolltest? Ist das Buch eher für Menschen in Beziehungen gedacht? Oder auch für Menschen, die gerade nicht in einer Beziehung sind und vielleicht verstehen möchten, warum bestimmte Dinge immer wieder scheitern? Susanne Vömel: Also ja, es geht schon viel darum, zu verstehen, warum wir – ohne es bewusst zu wollen – immer wieder in ähnliche Konstellationen geraten. Das kann natürlich in Liebesbeziehungen passieren. Aber auch auf andere Weise. Jemand kann zum Beispiel eine große Sehnsucht nach Nähe und Beziehung haben und sich trotzdem immer wieder Menschen aussuchen, die gar nicht wirklich verfügbar sind. Menschen, die ständig unterwegs sind. Die weit weg leben. Oder die aus anderen Gründen nicht erreichbar sind. Oberflächlich betrachtet denkt diese Person vielleicht: „Ich wünsche mir doch so sehr eine enge Beziehung.“ Und gleichzeitig gibt es möglicherweise eine unbewusste Angst vor genau dieser Nähe. Sissi Rasche: Genau, aber eigentlich hatte ich dich etwas anderes gefragt. Du hast das Buch ja sehr schnell geschrieben. Mich interessiert, wie dieser Impuls entstanden ist. Wenn man ein Buch schreibt, dann möchte man damit ja auch etwas weitergeben. Nicht alle Menschen können zu dir nach Berlin in die Praxis kommen. Also: Was war der Gedanke dahinter? Susanne Vömel: Ich war auf einem Geburtstag. Dort habe ich einer Freundin mein erstes Buch geschenkt, das gerade erschienen war. Und dann fragte mich jemand: „Schreibst du eigentlich auch ein zweites?“ Und ich habe gesagt: „So schnell bestimmt nicht.“ Und noch in derselben Nacht ging mir dieser Titel durch den Kopf: Tanz der inneren Kinder. Zwei Wochen später habe ich angefangen zu schreiben. Eigentlich habe ich das Buch fast in einem Stück geschrieben. Diese Tanzmetaphern waren einfach da. Sie helfen mir, die Dynamiken zwischen Menschen zu beschreiben. Und sie sprechen uns oft direkter an als rein theoretische Erklärungen. Sie erreichen etwas auf einer Gefühlsebene. Und ich finde, diese kleinen inneren Gestalten haben unglaublich viel Kraft. Sie sind lebendig. Nicht immer angenehm. Nicht immer schön. Aber sie bewegen etwas in uns. Und deshalb ist dieser Titel geblieben. Sissi Rasche: Ja, der Titel ist wirklich großartig. Aber was sollen die Menschen aus dem Buch mitnehmen? Was ist dir dabei besonders wichtig? Susanne Vömel: Das ist gar nicht so leicht in einem Satz zu beantworten. Aber im Kern geht es darum, sich selbst besser zu verstehen. Alles, was uns ein Stück bewusster wird, schenkt uns auch mehr Entscheidungsfreiheit. In Beziehungen. In Dynamiken. Im Umgang mit uns selbst. Denn erst wenn ich verstehe, woher etwas kommt, warum ich etwas tue und weshalb ich immer wieder ähnlich reagiere, entsteht überhaupt die Möglichkeit, mich anders zu entscheiden. Dann kann ich mich um diese Themen kümmern. Und vielleicht andere Beziehungen führen. Oder dieselbe Beziehung auf eine andere Weise gestalten. Sissi Rasche: Wenn Paare dann erst einmal bei dir sind – hast du das Gefühl, dass sich da wirklich etwas verändern kann? Ich frage das auch als Hebamme, weil ich gerade im ersten Lebensjahr eines Kindes oft erlebe, wie groß die Spannungen werden können. Wenn plötzlich eine neue Person dazukommt, verändert sich ja alles. Und ich finde schon, dass man in dieser Zeit nicht unbedingt vorschnell Entscheidungen treffen sollte. Nicht gleich gehen. Sondern eher schauen: Wo können wir noch hinschauen? Woran können wir arbeiten? Denn vieles würde uns mit dem nächsten Partner ja wieder begegnen. Und deshalb finde ich deinen Titel so passend. Weil es eben nicht nur ein Gefühl ist. Da sind ganz viele verschiedene Gefühle unterwegs. Und oft schauen wir lieber weg. Gerade wenn noch keine Verantwortung für ein Kind da ist. Susanne Vömel: Elternpaar statt Liebespaar Aber es gibt leider wirklich viele Trennungen in den ersten Lebensjahren eines Kindes. Ich habe die Zahlen gerade nicht im Kopf, aber es sind erstaunlich viele. Auch das hat natürlich Gründe. Wenn zum Beispiel jemand einen sehr abwesenden Vater erlebt hat – und das ist immer noch ein Thema –, dann kann mit dem eigenen Kind plötzlich etwas aktiviert werden. Nehmen wir an, ein Mann hat sehr schmerzhaft erlebt, dass sein Vater nach der Geburt gegangen ist. Dann kann es passieren, dass ihm durch die Beziehung zum eigenen Kind auf einer unbewussten Ebene erst wirklich deutlich wird, wie verletzlich er damals gewesen ist. Wie schmerzhaft das für ihn war. Und statt diesen Schmerz zu spüren, zu betrauern oder sich damit auseinanderzusetzen, wiederholen Menschen leider manchmal genau das. Sissi Rasche: Ja, und genau deshalb ist es ja so wichtig, das einfach zu wissen. Weil ich glaube, wir bewegen uns oft in einem sehr aufgeklärten Umfeld. Aber dieses Wissen: „Ah, okay, das ist nicht unbedingt jetzt hier meine Schuld.“ Sondern: „Ich kann daran arbeiten.“ Und: „Es ist ein Prozess.“ Das ist, glaube ich, das Wichtige. Also nicht immer gleich zu gehen. Das ist ja oft der einfachere Weg. Susanne Vömel: Das ist natürlich richtig. Aber das Schwierige ist, dass diese so früh verdrängten, großen Gefühle ... Früher waren wir ja wirklich abhängig davon, dass bestimmte Dinge erfüllt wurden. Und dieser Schmerz darüber, dass das nicht so war, ist oft so tief verdrängt, dass wir das eben nicht wirklich steuern können. So eine Person weiß in dem Moment ja nicht: „Das ist jetzt eigentlich mein Schmerz.“ Oder: „Das ist meine Angst.“ Oder: „Ich habe das nie gelernt.“ „Ich habe das nie erfahren.“ Und deshalb sind unbewusste Dinge eben so schwierig. Susanne Vömel: Deswegen denke ich darüber auch immer wieder nach. Du hast vorhin gesagt, du magst Prävention. Ich mag Prävention auch sehr. Und ich überlege immer wieder, ob ich für werdende Eltern Gruppenkurse oder ähnliche Formate anbieten sollte. Wo man sich dieser Dinge vielleicht schon vorher ein Stück weit bewusst werden kann. Denn in den Zeiten, in denen das Stresslevel so hoch ist, hast du natürlich recht. Da sollte man möglichst keine großen Entscheidungen treffen. Susanne Vömel: Genauso wenig, wie man in einer Verliebtheit unbedingt die Entscheidung treffen sollte, schwanger zu werden. Weil wir da eben auch in einem besonderen Zustand unterwegs sind. Sissi Rasche: Und man sollte vielleicht erst mal die Verliebtheit abwarten. Susanne Vömel: Genau. Wenn die Verliebtheit langsam aufhört. Wenn die Projektionen zurückgenommen werden. Wenn der Alltag wieder einkehrt. Wenn die ersten Streits beginnen. Wenn der andere nicht mehr ganz so perfekt aussieht. Und wenn wir selbst auch keine Lust mehr haben, so perfekt zu sein, wie wir uns am Anfang präsentiert haben. Susanne Vömel: Im Buch nenne ich das die Rücknahme der Projektion. Die Entzauberung beginnt. Susanne Vömel: Und dann sollte man schauen, ob man den anderen auch als ganz normales Lebewesen noch leiden kann. Als jemanden, der ein eigenes Leben führt. Unabhängig von dieser symbiotischen Verschmelzung am Anfang. Und wenn man das dann immer noch kann, dann ist das wahrscheinlich ein guter Zeitpunkt für die nächsten Schritte. Sissi Rasche: Zusammenziehen. Kinder kriegen. All diese Dinge. Susanne Vömel: Genau. Susanne Vömel: Aber jetzt unabhängig davon ist die Zeit mit kleinen Kindern natürlich auch so stressig, dass man sich wirklich einen Gefallen tut, wenn man nicht alles auf die Goldwaage legt. Denn gesunderweise regulieren wir doch vieles mit unserem Partner oder unserer Partnerin. Wenn wir nicht mehr können. Wenn wir erschöpft sind. Wenn uns alles zu viel wird. Dann landet das häufig eher in der Paarbeziehung als beim Kind. Glücklicherweise. Nicht immer, aber häufig. Susanne Vömel: Manchmal denke ich, da müssten einfach beide ein bisschen mehr Verständnis haben. Auch für die eigene Überforderung. Und für die Überforderung des anderen. Sissi Rasche: Ja. Je mehr ich mit dir rede und aus deiner täglichen Arbeit höre, desto mehr denke ich: Eigentlich gehört das alles viel stärker in die Prävention. Ich denke dann immer, es bräuchte so etwas wie einen Check-in nach drei Monaten Elternsein. Wie einen Vorsorgetermin. Nicht, weil immer etwas Schlimmes sein muss. Aber weil die meisten Paare ja erst kommen, wenn es schon kurz vor knapp ist. Susanne Vömel: Ja. Und ich habe heute tatsächlich auch viele richtig junge Menschen in der Praxis. Manchmal sind die Anfang zwanzig. Und ich sitze da und denke: Interessant. Sissi Rasche: Die sind einfach sehr aufgeklärt. Susanne Vömel: Ja. Und gleichzeitig haben viele auch große Angst. Wenn sie jemanden gefunden haben, haben sie Angst, diese Person wieder zu verlieren. Da steckt oft auch Unsicherheit in Bezug auf Bindung dahinter. Dann entsteht schnell der Wunsch, alles perfekt machen zu wollen. Susanne Vömel: Manchmal denke ich: Jetzt schaut euch doch erst einmal die Welt an. Lebt. Macht Erfahrungen. Und natürlich finde ich es gut, an sich zu arbeiten. Aber manchmal staune ich schon, wie früh das heute beginnt. Sissi Rasche: Und dann gibt es die anderen. Die erst kommen, wenn sie sich eigentlich schon gar nicht mehr anschauen können. Susanne Vömel: Genau. Da sitzt dann einer da und schaut in die eine Richtung. Und der andere in die andere. Schon beim Reinkommen. Sissi Rasche: Aber dann kann man trotzdem noch etwas machen? Susanne Vömel: Nicht immer. Aber darum geht es ja auch nicht immer. Es geht nicht um jeden Preis darum, dass Menschen zusammenbleiben. Susanne Vömel: Wenn sie Eltern sind oder kleine Kinder haben, dann geht es mir vor allem darum, dass sie einen Weg finden, wie sie das miteinander gestalten. Vielleicht nicht mehr als Liebespaar. Aber als Elternpaar. Sissi Rasche: Das finde ich einen unglaublich wichtigen Punkt. Susanne Vömel: Ja. Weil das eigentlich ein schönes Wort ist. Elternpaar. Selbst wenn die Liebesbeziehung endet, bleibt diese Verbindung bestehen. Sissi Rasche: Und ich glaube, das muss einem bewusst sein, wenn man sich gemeinsam für ein Kind entscheidet. Dass man, egal was später passiert, Eltern bleibt. Susanne Vömel: Leider sehen wir ja immer wieder, wie schwierig das sein kann. Aber genau deshalb kann man an diesen Stellen eigentlich gar nicht genug tun. Susanne Vömel: Deshalb gehen mir auch die Ideen nicht aus. Manchmal reicht eher die Zeit nicht. Denn ich glaube schon, dass wir viel mehr Prävention brauchen. Mehr Wissen über Bindung. Mehr Wissen über Liebe. Und auch über die Überfrachtung von Liebe. Susanne Vömel: Warum Liebe nicht alles erfüllen kann Diese Vorstellung, dass ein einziger Mensch alles erfüllen soll. Das kann eigentlich nicht funktionieren. Aber genau das erzählen viele Filme. Sissi Rasche: Das war genau der Punkt, auf den ich noch einmal hinauswollte. Gerade wenn man selbst in einer schwierigen Phase steckt, begegnen einem überall diese Bilder von Liebe. Und dann vergleicht man sich damit. Susanne Vömel: Ich würde sagen: Das sind Filme. Und keine wirklichen Menschen. Susanne Vömel: Ich glaube, das kann gar nicht funktionieren. Und auch in Beziehungen zwischen Männern und Frauen – zumindest wenn wir jetzt einmal dabei bleiben – gibt es einfach Unterschiede in vielen Verhaltensweisen. Natürlich nicht immer. Aber häufig. Susanne Vömel: Frauen sind im Allgemeinen oft stärker prozessorientiert. Männer häufig eher lösungsorientiert. Susanne Vömel: Und daraus entstehen schon viele Missverständnisse. Eine Frau erlebt häufig schon durch den gemeinsamen Prozess Verbundenheit. Dadurch, dass man gemeinsam über etwas nachdenkt, spricht und fühlt. Es muss dabei gar nicht unbedingt sofort eine Lösung entstehen. Susanne Vömel: Und der Mann fragt sich manchmal: „Was soll ich dazu jetzt noch sagen?“ „Wir haben doch schon entschieden, ob wir A oder B machen.“ Susanne Vömel: Das sind oft ganz kleine Dinge. Aber genau daraus entstehen viele Missverständnisse. Sissi Rasche: Ja. Kleine Dinge. Susanne Vömel: Und deshalb glaube ich auch, dass man nicht alles von einer einzigen Person bekommen kann. Manche Prozesse lassen sich vielleicht auch wunderbar mit einer Freundin führen. Oder mit Menschen, die ebenfalls Lust haben, sich intensiv mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen. Susanne Vömel: Man bekommt eben nicht alles bei einem Menschen. Das geht irgendwie nicht. Buchveröffentlichung und Kontaktmöglichkeiten Sissi Rasche: Vielen Dank, liebe Susanne. Und wir freuen uns natürlich auf dein Buch. Wann kommt es denn heraus? Susanne Vömel: Am 8. Juni. In der Kalenderwoche 20. Sissi Rasche: Sehr schön. Vielen Dank. Ich habe mich sehr gefreut, dass du da warst. Susanne Vömel: Ich mich auch. Sissi Rasche: Wo finden wir dich? Natürlich in deiner Praxis in Berlin. Das verlinke ich in den Shownotes. Und hast du auch einen Instagram-Kanal? Susanne Vömel: Ja. @Susannevoemel Sissi Rasche: Okay, sehr gut. Das packen wir natürlich ebenfalls in die Shownotes. Vielen Dank für deine wunderbare Arbeit. Und ganz viel Erfolg mit deinem Buch. Alles Weitere findet ihr in den Shownotes. Danke, dass du hier warst. Susanne Vömel: Vielen, vielen Dank dir.

Was ist das Geheimnis guter Partnerschaften? In dieser Folge erklärt die Psychologin und Paartherapeutin Susanne Vömel, wie eine gute Beziehung gelingen kann. Dies ist nicht immer einfach, denn in jeder Beziehung wirkt mehr mit, als uns bewusst ist. Immerhin begegnen sich nicht nur zwei Erwachsene, sondern auch ihre inneren Kinder – mit all ihren Erfahrungen von Nähe, Verletzung, Sehnsucht und Bindung.

 

Beziehungsmuster verändern

 

Wir sprechen darüber, wie frühkindliche Prägungen unsere Partnerschaften formen, wie sie oft unbewusst deren Dynamik bestimmen und vor allem, wie wir Beziehungsmuster verändern können. Susanne Vömel erklärt, warum wir uns gerade zu den Menschen hingezogen fühlen, die frühe Wunden in uns berühren und warum wir uns immer wieder in gleichen Konflikten wiederfinden.

 

Wir suchen nach der anderen, der besseren Hälfte. Am Anfang ist das zunächst perfekt, wird aber mit der Sozialisierung schwieriger, wenn die Außenwelt auf die Beziehung trifft. Oft fixieren sich die in der Kindheit entstandenen Rollen, sodass bei nicht genauer Betrachtung keine Entwicklung möglich ist. „Gesund ist es, wenn ein jeder die eigenen Bedürfnisse und die des anderen kennt, wenn sich jeder zwischen Macht und Ohnmacht, aktiv oder passiv sein können, Nähe oder Distanz flexibel bewegen kann. So findet ein Paar den eigenen Rhythmus, eine gemeinsame Dynamik“, sagt Susanne Vömel.

 

Die Aufgabe besteht darin, früh verdrängte Anteile, tiefe Sehnsüchte, nicht nur im anderen zu leben und ihn darauf festzulegen, sondern sie selbst zu entwickeln. Wir gehen auf die acht psychodynamischen Grundkonflikte, den emotionalen Grundton einer Familie und sogar die Atmung ein. Ziel ist es, dass ein Paar – richtig kommuniziert - den ganz eigenen Rhythmus findet.  

 

Wie das geht? In einem ersten Schritt alte Konflikte, Bedürfnisse, in sich selbst erkennen und nicht auf den anderen übertragen. Alte Muster, etwa die Angst vorm Bindungsverlust, erkennen und nicht mehr ausspielen. „Mal ein Veto einlegen, sich distanzieren. Nicht mehr mitspielen – auch nicht beim anderen“, so Susanne Vömel. Was sie rät: Mitgefühl für die eigenen Themen und die des anderen entwickeln, sich verändern, lebendig und neugierig bleiben.

 

Susanne Vömel ist Psychologin M.Sc., Psychotherapeutin, Paartherapeutin und Physiotherapeutin. Sie bildete sich in diversen psychodynamischen und paartherapeutischen Fachbereichen weiter und ist in eigener Praxis in Berlin tätig. Sie ist Mitglied im Bundesverband Psychonalytische Paar- und Familientherapie (BvPPF).

 

Buchtipp: Du möchtest tiefer in dieses Thema einsteigen? Dann lohnt sich ein Blick in das neue Buch von Susanne Vömel mit dem Titel Tanz der inneren Kinder📖  – ab sofort im Handel erhältlich!

 Susanne Vömel
 
Selbstwahrnehmung mit allen Sinnen

Wie ein gestärktes Körperbewusstsein zu mehr Selbstwert, Lebendigkeit und Lebensfreude verhilft

Mein Buch ist Ende Januar 2025 im Psychosozial-Verlag erschienen und ab sofort im Buchhandel vor Ort und online lieferbar!

Buchcover Selbstwahrnehmung mit allen Sinnen #Selbstbewusstsein #Selbstwert#Persönlichkeitsentwicklung#Psychosomatik

Selbstbewusstsein und innere Lebendigkeit gründen in Körperbewusstsein. Wenn wir der sinnlichen Wahrnehmung unseres Körpers wieder mehr Aufmerksamkeit schenken und unseren inneren Empfindungen nachspüren, werden wir mit einem vitaleren Lebensgefühl belohnt. In unserem Körpergedächtnis sind verkörperte Beziehungserfahrungen mit frühen prägenden Bindungspersonen gespeichert. Dieses »innere Kind« bestimmt maßgeblich, wie wir aktuelle Lebensereignisse bewerten und beantworten. Gehemmt oder unverbunden können wir unsere Körperempfindungen nicht deuten, was zu psychosomatischen Beschwerden sowie Gefühlen der Leere und Leblosigkeit führen kann. In Therapie oder Selbsterfahrung kann das Zusammenspiel von Körperempfindungen mit inneren Bildern, Gedanken und Worten über Mentalisierungsprozesse wieder vereint und so die Symbolisierungsstörung aufgehoben werden.

Erfahrungsnah und mit zahlreichen Anregungen begleitet uns Susanne Vömel auf dem Weg, unseren inneren Dialog anzuregen. Sie unterstützt uns darin, Erkenntnisse für unsere persönliche Entwicklung zu gewinnen, unser emotionales Erleben in seinem gesamten Spektrum zu fördern und die Verwirklichung unserer angelegten Lebenspotenziale in Gang zu bringen, um Gefühle von Lebendigkeit und Lebensfreude freizusetzen.

Dr. Sebastian Leikert

 

"Susanne Vömel legt ein wunderbares Buch vor, dass eine Lücke zwischen allgemeiner Ausrichtung auf die Achtsamkeit im Alltag und Therapieprozessen füllt..."

 

 

 

Die Beziehung zu uns selbst und unserer Umgebung wird uns von unseren Sinnen vermittelt; die sinnliche Wahrnehmung ist der Ursprung für die Entwicklung

unserer psychischen Strukturen und gedanklichen Prozesse.  Mit dem eigenen Körper in spürender Beziehung zu sein, zu wissen, was die über

unsere Sinne vermittelten Informationen für uns bedeuten, führt zu dem Gefühl, sicher in sich beheimatet zu sein. Dieser Bezugspunkt des Heimat-Gefühls in sich

selbst, - des stabilen Platzes in der Welt - ist unerlässlich für die Gewissheit und das Gewahrsein der eigenen Identität.

Dieses Buch über die dynamische Einheit von Körper und Psyche - dem sinnlichen Körperselbst - möchte erfahrungsnah und mit vielen konkreten Ideen unterstützen, sich auf den Weg der Selbsterfahrung einzulassen- den inneren Dialog anzuregen, um Erkenntnisse für die persönliche Entwicklung zu gewinnen, emotionales Erlebens in seinem gesamten Spektrum zu fördern und die Verwirklichung, der angelegten Lebenspotentiale in Gang zu bringen, um Gefühlen von Lebendigkeit und Lebensfreude freizusetzen, also bislang gehemmte vitale Lebensenergien zu entbinden.

Über die körperliche Selbstwahrnehmung lernen Sie Gefühle als verlässliche Informationsquelle zu verstehen und für die Orientierung in uns selbst und der uns umgebenden Welt sowie für selbstbestimmte Entscheidungen nutzbar zu machen. 

Präventiv lernen Pädagogen und Eltern -neben Umgebungen, die die Lebendigkeit und Verspieltheit des Kindes nicht ersticken- die wichtigen Qualitäten der emotional - affektiven Beziehungsgestaltung kennen , die im Kind Urvertrauen entstehen lässt und die gesunde kindliche Entwicklung zu einem stabilen Selbst fördert.

Das Buch, beschreibt die fundamentalen Verflechtungen, frühkindlichen Entwicklungsprozesse und Auswirkungen der Prägungen des impliziten Beziehungswissens im Körpergedächtnis auch  für interessierte fachfremde Personen verständlich , um den Prozess der Selbsterfahrung und Selbstentfaltung anzuleiten. 

Von der Arbeit mit dem Inneren Kind begeisterte Menschen finden  Unterstützung um tiefer einzusteigen und zu erfahren, was eigentlich wirklich mit dem "Inneren Kind" gemeint ist und warum es über rein kognitive Wege nicht ins eigene Erleben geholt werde kann.

Etablierte psychologische und physiologische Konzepte werden integrativ  und wissenschaftlich fundiert erläutert, so bringt es Fachpersonen unterschiedlichster Disziplinen die jeweils ergänzende Sichtweise nahe, die der eigene berufliche Schwerpunkt oder Therapieansatz nicht berücksichtigt. 

Die (wenigen) existierenden Fachbücher habe ich als Quellen verwendet, so finden weitergehend interessierte Lesende schnell Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen und vertiefende Lektüre zu etablierten Theorien.

Die Blickrichtung aus der das Buch geschrieben ist, betont nicht das Defizitäre, sondern regt LeserInnen  auf freudige, spielerische Weise an, bislang unbekannte oder verdrängte Anteile ihrer selbst ins Leben zu holen!

Das Buch möchte neurigierig darauf machen und Impulse geben, die den gewohnten Fühl-und Denkraum erweitern und von innen heraus in Bewegung bringen, indem analytisches Denken - über erlebensnahe, sinnliche Beispiele zum Einfühlen und zahlreiche Metaphern - anregt und die Lust geweckt wird, selbst Verbindungen zu erstellen, wahrzunehmen und das Zusammenspiel der Ebenen Wort, Bild und Körperempfindung in Gang zu bringen oder flexibler werden zu lassen (Erläuterung folgt in den folgenden Absätzen). Diese drei Ebenen werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, so dass in den verschiedenen Kapiteln je ein Aspekt näher betrachtet wird, sodann etwas ruht, ehe er unter einem anderen Aspekt wieder aufgegriffen wird, so dass sich am Ende ein weiterer, dreidimensionaler Raum im Innern des Lesenden aufspannt, der einen Keim für das Gefühl unseres verbundenen, ganzheitlichen Selbstes enthält und Lust auf die weitere Suche nach sinnlichen Wahrnehmungen und Vitalisierung des Selbstgefühls macht.

Beginnend mit Aspekten der frühkindlichen Prägungen und der Auswirkung von erlernten, -damals notwendigen, heute aber dysfunktionalen und hemmenden-Bewältigungsstrategien auf das Lebensgefühl erwachsener Menschen wird ein tieferes Verständnis für die, in uns wirkenden Kräfte (Innere-Kind-Anteile) angebahnt. Diese Kräfte sind uns gedanklich unbewusst, weil sie aus einer Zeit stammen, in der unsere Gehirn- und Sprachentwicklung noch nicht ausgereift waren, sind jedoch in unserem Körpergedächtnis gespeichert und können jederzeit über verschiedene Trigger aktiviert werden. Notwendige Voraussetzung, um diese unbewussten Kräfte erkunden und ins eigene Dasein integrieren zu können, ist es das eigene Nervensystem im Stress effektiv beruhigen zu können, daher folgt eine Auseinandersetzung mit der Physiologie des autonomen Nervensystems, der Atmung und des Umgangs mit hemmenden und förderlichen Aspekten der Selbstwahrnehmung.

Nachdem wirksame Techniken der Selbstregulation vermittelt sind, widmen wir uns der Bedeutung von Emotionen und deren Embodiment. Sinnesreize lösen Emotionen aus, die wir als ganzheitlichen Vorgang aus den Komponenten: Körperempfindungen, Bewegungsimpulsen, inneren Bildern und Sprache erleben und deren dynamisches Zusammenspiel unerlässlich für psychische Gesundheit ist. Konnten diese Komponenten in prägenden Lebensjahren nicht verknüpft werden oder wurden sie später auf Grund traumatischer Einflüsse abgespalten, führt diese Symbolisierungsstörung dazu, dass emotionales Erleben unterdrückt und die Bedeutung körperlicher Empfindungen nicht verstanden und mittels Sprache ausgedrückt werden kann. Um die Sprache des Körpers wieder verstehen zu lernen und das dynamische Zusammenspiel der Entitäten wieder in Fluss zu bringen, folgen viele Übungen und Anregungen der leibnahen oder verkörperten Selbstwahrnehmung und die Beschreibung verschiedenster unterstützender Umgebungen,die durch Resonanzphänomene innere Bewegung, Kreativität und Freude auslösen.

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Dr. Sebastian Leikert

Dr. en Psychanalyse, Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Psychoanalytiker, Lehranalytiker und Supervisor (DGPT), Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse und Musik , Autor 

"Susanne Vömel legt ein wunderbares Buch vor, dass eine Lücke zwischen allgemeiner Ausrichtung auf die Achtsamkeit im Alltag und Therapieprozessen füllt. In Therapien werden Konflikte durchgearbeitet und das Selbst gestärkt. Wie aber kann die Lebendigkeit, die hier gewonnen wurde, in den Alltag integriert und weiterentwickelt werden? Hier geht der Blick häufig auf Tipps zur Achtsamkeit, von der ein Gegengewicht gegen die Beschleunigung und Belastungen des Alltags erwartet wird. Vömel vertieft das, was in der Achtsamkeit angelegt ist, bringt es zusammen mit psychodynamischem Wissen und gibt spezifische Anregungen, um Potentiale aufzuschließen. Ein vielfältiger Strauß von Möglichkeiten der leibnahen Selbstentwicklung wird entfaltet. Das Buch hilft dabei, im konkreten Alltag den Akzent des sinnlichen Selbst nicht zu verlieren und dadurch einen Wachstumsprozess zu fördern, der allzu oft unter der Sogwirkung medialer Konsumangebote verschüttet zu werden droht. Ein Buch das spannend erzähltes Fachwissen mit konkreten Anregungen zur Umsetzung verbindet. Ein echter Gewinn für Leserinnen und Leser."

Prof. Dr. Verena Kast

 Professorin für Psychologie, Psychoanalytikerin (C. G. Jung) und Psychotherapeutin in eigener Praxis, Dozentin und Lehranalytikerin am C. G. Jung-Institut Zürich, Autorin 

"Ein beherztes Plädoyer dafür, den Körper zu bewohnen, um wieder vitaler zu werden – mit vielen Anregungen."

Dr. Michael Elpers

Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeut.

Autor der Bücher "Wenn die Kinderseele streikt" und " Wenn Kinder unter Kindern leiden" 

"Die Autorin beschreibt die komplexen Zusammenhänge zwischen kindlichen Entwicklungs- und Bindungsprozessen, Emotionen, neurobiologischen Vorgängen und den psychodynamischen Faktoren in unseren frühen Beziehungserfahrungen auf anschauliche Weise und spannt so den Bogen von der frühen Kindheit bis in das Erwachsenenalter. Ein lesenswertes Buch, dass sich gleichermaßen an Eltern, TherapeutInnen, KlinikerInnen und alle interessierten Menschen richtet."

Jeanette Erdmann-Lerch

M.Sc. Psych., Dipl. Reha-Psych., Kinder-u.Jugendlichen Psychotherapeutin, Supervisorin und Dozentin

„Eine Art Reiseführer, der Lesende in die Welt der Zusammenhänge zwischen körperlichen, geistigen und seelischen Strukturen über die Lebensspanne hinweg entführt und diesen Ausflug mit einer Fülle an tragenden und stärkenden inneren Entdeckungen und Erkenntnissen belohnt.

Die Persönlichkeit, das Verhalten und das emotionale Erleben erwachsener Menschen ist geprägt von frühkindlichen verinnerlichten Beziehungserfahrungen, die sich vornehmlich als Körperempfindungen und Beziehungserwartungen im Menschen eingeschrieben haben. Erfahrungsnah erschließt sich Lesenden, welche Qualitäten dieser frühe emotional - affektive Austausch beinhalten sollte, um Kindern den Aufbau einer sicheren Bindung und die Integration psychischer und physischer Gefühlskomponenten in ihr Selbst zu ermöglichen. Aufbauend auf dieser identitätsstiftenden Grundlage lernen Kinder zunehmend, die emotionale Bedeutung ihrer Körperempfindungen und damit sich selbst zu verstehen und die eigenen Affekte zu regulieren. Urvertrauen und ein positives Selbstkonzept etablieren sich und bilden lebenslang eine stabile Ressource für die seelische Gesundheit. Neben diesen präventiven Aspekten bietet das Buch kurativ eine Vielzahl lebendiger Ideen zur Selbstentwicklung und Stärkung der Verbundenheit mit sich selbst.“

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